Spätestens seitdem Landrat Michael Kreuzberg für das Rheinische Revier in der sogenannten „Kohle-Kommission“ der Bundesregierung über den Ausstieg aus der Kohleverstromung verhandelt hat, sind das Thema und der damit einhergehende Strukturwandel allgegenwärtig. Die Menschen und Betriebe in der Region stehen vor riesigen Herausforderungen, weil zahlreiche Arbeitsplätze ersetzt werden müssen.

Ebenso müssen die Planungen für Flächennutzungen aufgrund der früheren Beendigung der Tagebaue angepasst werden. Der Rhein-Erft-Kreis sowie die betroffenen Nachbarkreise begreifen diese Situation als Chance. Sie wollen die ganze Region von Grund auf neu denken und neue, nachhaltige Strukturen aufbauen.

„Das Rheinische Revier ist die größte Landschaftsbaustelle Europas und es geht um nicht weniger als die Neugestaltung einer ganzen Region“, betont Landrat Michael Kreuzberg.

Dank des Engagements der betroffenen Städte und Kreise sowie der Zukunftsagentur Rheinisches Revier als koordinierende Stelle für den Strukturwandel im westdeutschen Braunkohlerevier gewinnen die Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen zunehmend an Kontur. Noch weit bevor Bundestag und Bundesrat Anfang Juli die notwendigen Gesetze für den Kohleausstieg und die Strukturförderung für betroffene Regionen beschlossen haben, hat der Rhein-Erft-Kreis Strategien und Pläne entwickelt, mit denen der Strukturwandel erfolgreich bewältigt werden soll.

Leitlinien für den Strukturwandel
Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier hat mit der Unterstützung zahlreicher Stakeholder im Dezember 2019 die erste Fassung eines umfangreichen Wirtschaftsund Strukturprogramms (WSP 1.0) vorgelegt, das seitdem die inhaltliche Grundlage für die Weiterentwicklung des Reviers bildet. In diesem Programm wurden die wichtigsten Zukunftsfelder herausgearbeitet und Ziele definiert, welche der Region neue Perspektiven eröffnen sollen. Die darin enthaltenen Vorstellungen werden nun unter Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie der Träger Öffentlicher Belange stetig weiterentwickelt.

83 Projekte bilden das SofortprogrammPLUS
Ein wichtiger Meilenstein wurde im Mai 2020 erreicht, als der Aufsichtsrat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier das Sofortprogramm-PLUS mit insgesamt 83 konkreten Projekten beschlossen hat. Diese Vorhaben wurden als grundsätzlich förderwürdig eingestuft und haben damit im Qualifizierungsverfahren den ersten von drei Sternen erreicht.

„Der Rhein-Erft-Kreis ist mit 17 vielversprechenden Projekten im Sofortprogramm-PLUS vertreten und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir damit den Weg ebnen werden, um auch in Zukunft ein prosperierender Landkreis zu sein, in dem Menschen gerne leben und arbeiten“, erklärt Kreuzberg aus voller Überzeugung.

Exkursionen führen zu den Projekten des Kreises
Damit die Öffentlichkeit mehr über die 17 Projekte im Kreis erfahren und sich in der Region die notwendige Aufbruchsstimmung verbreiten kann, hatte der Landrat in den Sommerferien zu einer Exkursionsreihe eingeladen. An insgesamt drei Tagen sind Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verbänden und der Medien mit einem Bus durch das Kreisgebiet gereist. Bei Stationen in allen beteiligten Kommunen wurden die einzelnen Vorhaben präsentiert und deren Strukturwirksamkeit erläutert.

Wärmespeicher-Kraftwerk, Grüner Wasserstoff, Spezialisiertes Gewerbegebiet und ein Großlabor für Spitzenanalytik
Am ersten Tag der Exkursionsreihe widmeten sich die Teilnehmer den Projekten in Bergheim und Bedburg. Im Schloss Paffendorf erläuterten Vertreter von RWE Power und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Prinzip der Stromspeicherung durch Wärme an einem der bestehenden Kraftwerksstandorte. Ein großer Standortvorteil sei die dort bereits vorhandene Infrastruktur sowie die Fachkräfte aus dem Kraftwerksbetrieb, die man weiterbeschäftigen wolle.

Die Stadt Bedburg verfügt schon heute über einen der größten Windparks der Region. Geht es nach den Vorstellungen der der Stadt, könnte aus der überschüssigen Energie demnächst Grüner Wasserstoff gewonnen werden. Dieser wäre als Energiequelle nicht nur nutzbar zur Versorgung von Wohnsiedlungen, sondern vielleicht sogar für den Betrieb von Wasserstoff-Zügen, LKW und auch PKW.

Die Städte Bedburg, Bergheim und Elsdorf kooperieren schon seit längerer Zeit in den unterschiedlichsten Bereichen. Einer davon ist das geplante interkommunale Gewerbegebiet „terra nova“ auf insgesamt 20 Hektar Fläche mit der innovativen Klimahülle als zentralem Leuchtturmprojekt. Ebenfalls eine gemeinsame Idee der drei Städte ist das Digitale Gemeinschaftsstadtwerk „DIGEST“. Ziele des Vorhabens sind mittelfristig CO2-Neutralität und eine größtmögliche Energie- und Versorgungssicherheit, von Erzeugung bis Verbrauch in der Region des Kraftraums :terra nova.

In Bergheim möchte das Unternehmen A&M Stabtest expandieren und mit einem Großlabor für Spitzenanalytik bis zu 200 neue Arbeitsplätze schaffen. In Schutzkleidung gehüllt, besuchte die Delegation des Landrates den Betrieb, der schon heute Europas größtes Speziallabor für biopharmazeutische Analytik ist. Zur Beschleunigung seiner Expansionspläne und schnellstmöglichen Schaffung von Arbeitsplätzen bewirbt sich das Unternehmen um die Fördergelder aus dem Strukturstärkungsgesetz.

Food-Campus, Regionales Energiemanagement, SpeicherStadt Kerpen
Der zweite Teil der Exkursionsreihe führte die Gruppe an die Tagebaukante bei Elsdorf zum Forum Terra Nova. Mit bester Sicht auf den noch laufenden Tagebau erhielten die Teilnehmer einen Ausblick auf zukünftige Wertschöpfungsketten. Die Savanna Ingredients GmbH, ein Tochterunternehmer von Pfeifer & Langen, könnte die Initialzündung für einen Food-Campus auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik sein. Das Projekt nutzt die Kompetenzen und die Tradition der Lebens- und Futtermittelerzeugung in Elsdorf sowie das regionale Merkmal hochwertiger landwirtschaftlicher Böden und setzt diese für die Gesamtregion in Wert. Die Firma hat eine starke Forschungsabteilung und produziert kalorienarme Zuckerprodukte sowie weitere Lebens- und Futtermittel. Mit dem Projekt können bis Ende 2022 am Standort etwa 200 und bis Ende 2026 etwa 600 Ersatzarbeitsplätze - insbesondere auch im industriellen Bereich - geschaffen werden.

In Heppendorf will man durch den Aufbau eines regionalen Energiemanagements einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Zeit nach der Braunkohle leisten. 22 regionale Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft haben sich zusammengeschlossen, um ein System zu entwickeln, das innerhalb kürzester Reaktionszeit Stromverbrauch und -produktion intelligent regulieren kann.

Unter dem Titel „SpeicherStadt Kerpen“ werden mehrere Vorhaben zusammengefasst, die sich mit der Erzeugung, Speicherung, Nutzung und Veredelung von erneuerbarer Energie befassen. Gemeinsam mit großen, bekannten Industrieunternehmen arbeitet die Stadt an Konzepten, wie der Tagebau und sein Umfeld aus energetischer Sicht effektiv weiterentwickelt werden könnten.

Hochschulansiedlung, Künstliche Intelligenz und ChemieHub
Zum Abschluss der dreitätigen Exkursion durch den Rhein-Erft-Kreis stand eine Tour nach Erftstadt und Hürth auf dem Plan. Seit einiger Zeit arbeiten der Rhein-Erft-Kreis, die Stadt Erftstadt und die TH-Köln an der Errichtung eines neuen Campus in Erftstadt. Zur aktiven Gestaltung des bevorstehenden Transformationsprozesses sollen hier die Fachkräfte von morgen ausgebildet werden. Geplant ist ein Campus für rund 2.000 Studierende und 48 Professuren. Hinzukommen ca. 200 Arbeitsplätze in Lehre, Forschung und Verwaltung. Das Studienangebot umfasst sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge in den Bereichen Raumentwicklung und Infrastruktursysteme, Infrastrukturmanagement und Geoinformatik.

Um im Bereich der Künstlichen Intelligenz demnächst neue Maßstäbe zu setzen, ist es der Stadt Hürth gelungen, hochkarätige Projektpartner aus Industrie und Wissenschaft unter dem Dach des geplanten „AI Village“ zusammenzubringen. Der „ChemHub Knapsack“ soll den schon vorhandenen Chemiestandort weiterentwickeln und durch innovative sowie ressourcenschonende Produktionsmethoden neue Industriearbeitsplätze schaffen. Dabei soll es beispielsweise um Wasserstofftechnologien, chemisches Recycling oder die Gewinnung von Kohlenstoff aus Biomasse gehen.

Am Ende der Exkursionsreihe resümierte Landrat Kreuzberg: „Ich bin davon überzeugt, dass wir eine gute Auswahl erster Projekte getroffen haben, die den vorhandenen Stärken unseres Raumes Rechnung trägt und gleichzeitig neue Zukunftsfelder für uns erschließt. Wir wollen als Kreis stärker aus dem Strukturwandel hervorgehen, als wir es heute sind.“

Perspektiven im Strukturwandel

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